Der saubere Strand auf Fanö
Der saubere Strand auf Fanö

Fanö Strand – der vielleicht sauberste Strand der Welt

Der Strand der schönen Wattenmeerinsel Fanö wird systematisch gereinigt. Jedes Jahr werden viele Tonnen Abfall eingesammelt und wiederverwertet

Weiter, heller Sand, Wind in den Dünen und kaum ein Stück Plastik zwischen den Muscheln: Der Strand auf Fanö – auf Dänisch Fanø geschrieben – gehört zu den saubersten Stränden an der dänischen Nordseeküste. Dahinter steckt kein Zufall, sondern eine Handvoll Menschen mit Handschuhen, Müllsäcken und einer ziemlich sturen Haltung gegenüber Meeresmüll.

Ist der Strand auf Fanö der sauberste der Welt?

„Ich glaube, dass wir hier auf Fanö den vielleicht saubersten Strand der Welt haben. Und falls nicht, fehlt auf jeden Fall nicht viel. Man kann sicher woanders kleine Strandabschnitte finden, die man noch sauberer hält. Aber einen so langen Strand wie auf Fanö – ich glaube nicht, dass man das woanders macht“, sagt Kim Fischer, der beim Freiwilligenverein „Ren Strand Fanø“ arbeitet – die richtige Adresse, wenn du wissen willst, wie der Insel das gelingt.

Ein Geheimrezept gibt es nicht. Es ist beharrliche, systematische Arbeit und eine große Zahl freiwilliger Helfer. Kein Wunderautomat, keine große Maschine – sondern Menschen, die jeden Tag über den Sand gehen, weil ihnen dieser Ort etwas bedeutet.

Ein Mann mit einer Mission

Dass ausgerechnet auf Fanö so viel Abfall verschwindet, geht auf einen Einzelnen zurück. Peter Michélsen ärgerte sich darüber, dass das Meer immer neuen Müll anspülte und am Strand liegen ließ. Er war ein alter Seemann und konnte einem Teil des Abfalls ansehen, wer ihn über Bord geworfen hatte. Also kontaktierte er diese Schiffe und bat sie, damit aufzuhören.

Immer mehr Menschen halfen ihm, und daraus entstand der Verein „Ren Strand Fanø“, der heute mehrere hundert Mitglieder zählt und fest auf der Wattenmeerinsel verankert ist. Was als fast trotzige Geste eines Einzelnen begann, ist inzwischen eine der bekanntesten Bürgerinitiativen Dänemarks im Kampf gegen Meeresmüll.

35 bis 50 Tonnen Abfall pro Jahr am Strand von Fanö

Nach dem Tod Peter Michélsens wurde die Arbeit fortgesetzt, nun mit Kim Fischer als treibender Kraft. Er berichtet, dass auf den Stränden Fanös jährlich zwischen 35 und 50 Tonnen Abfall eingesammelt werden.

„Es ist sehr unterschiedlich, wie viel Abfall angespült wird. Im Februar 2022 sammelten wir an einem einzigen Tag 7 Tonnen. Das war nach dem Sturm Nora“, erzählt er.

„Es ist am besten, wenn wir den Abfall schnellstmöglich einsammeln können, nachdem er angespült wurde. Dann ist es am leichtesten, ihn aus dem Sand zu ziehen.“ Wind und Gezeiten spielen dabei eine große Rolle: Nach einem Sturm kann ein Strandabschnitt, der am Vortag noch makellos war, über Nacht mit Plastik, Tauwerk und Treibgut übersät sein.

Jeder kann am Strand mithelfen

Gesammelt wird längst nicht nur von Kim Fischer und den Vereinsmitgliedern. Einheimische und Urlaubsgäste werden ganz selbstverständlich einbezogen. An den Zufahrten zum Strand stehen Spender, aus denen du einen Beutel für „Meeresabfall“ mitnehmen kannst, und auch viele Läden auf Fanö geben die Beutel aus. Die vollen Beutel legst du auf dem Rückweg in die Behälter entlang der Strände – ein kleiner Umweg, der einen echten Unterschied macht. Was sonst noch gilt, wenn du dich am Wasser bewegst, liest du in unseren Hinweisen zum Strand in Dänemark.

Familie sammelt Abfall am sauberen Strand auf Fanö – Foto: Ren Strand Fanø

Zur Freude von Groß und Klein wird der Strand auf Fanö von Abfall befreit, den das Meer anspült. Foto: Ren Strand Fanø

„Richtig schwere Beutel darf man auf dem Strand zurücklassen. Dann kommen wir vorbei und nehmen sie mit. Wir sind fast jeden Tag am Strand“, sagt Kim Fischer.

Vom Strandfund zum recycelten Produkt

Was da zusammenkommt, ist erstaunlich vielfältig. Kim Fischer schätzt, dass etwa die Hälfte aus Weichplastik besteht – Tüten und lose Plastikstücke. Den Rest bilden Hartplastik, rund 10.000 Plastikflaschen im Jahr, Paletten, Kanister, Fischkisten, Gummihandschuhe und vieles mehr. Alles wird sortiert und an Unternehmen weitergegeben, die den alten Kunststoff in neuen Produkten wiederverwerten. So bekommt selbst der unansehnlichste Strandfund am Ende noch ein zweites Leben.

„Es ist schön, dass der Abfall wiederverwertet wird. Aber das Beste wäre, wenn er erst gar nicht im Meer landen würde. Wir haben uns an eine Wegwerfkultur gewöhnt. Aber das funktioniert nicht. Denn ‚weg‘ gibt es nicht. Diese Mentalität existiert leider immer noch“, sagt Kim Fischer.

Was den Strand auf Fanö so besonders macht

Die Westseite der Insel ist ein einziger, rund 15 Kilometer langer Sandstrand, der bei Ebbe so breit wird, dass Kinder minutenlang laufen, bevor sie das Wasser erreichen. Große Abschnitte darfst du mit dem Auto befahren – Fanö ist einer der klassischen dänischen Autostrände, und mit Sonnenschirm, Kühlbox und Windschutz im Kofferraum ist das eine ziemlich bequeme Art, einen Strandtag zu beginnen. Am belebtesten geht es rund um Rindby Strand zu, wo Kioske, Strandwache und Ferienhäuser in Laufweite liegen.

Der Wind, der so zuverlässig über die Insel fegt, hat Fanö außerdem einen eigenen Ruf eingebracht: Beim Drachenfestival auf Fanö steigen im Juni hunderte Drachen gleichzeitig über dem Sand auf. Und hinter der Insel liegt das Wattenmeer, seit 2014 UNESCO-Weltnaturerbe und Rastplatz für Zugvögel in einer Größenordnung, die man einmal gesehen haben sollte. Wer das mag, findet auf der Nachbarinsel Römö eine ganz ähnliche Mischung aus Weite, Watt und breitem Strand.

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