Zum Wohl! Dänische Brennereien und ihr Geschmack
Es ist noch nicht lange her, dass du die Anzahl der dänischen Brennereien an einer Hand abzählen konntest. Das kannst du nicht mehr. Heute brauchst du mehr als 14 Hände
Viele Jahre lang war es der Schnaps, den die meisten mit Dänemark in Verbindung brachten, wenn es um Spirituosen ging. Ein klarer, scharfer Kräuterschnaps, oft zum Hering oder Smørrebrød gereicht – das war lange das Bild, das Ausländer von der dänischen Spirituosenkultur hatten. So ist es nicht mehr.
Vom Monopol zur Brennerei-Vielfalt
Erst als Dänemark 1973 Mitglied der EU wurde, war es anderen als "De Danske Spritfabrikker" erlaubt, Spirituosen herzustellen. In den ersten Jahren nach dem das Monopol abgeschaffen wurde, passierte nicht viel – die Produktion lag weiterhin fast ausschließlich in den Händen des ehemaligen Staatsmonopols. Erst nach der Jahrtausendwende nahm die Entwicklung richtig Fahrt auf, und dann ging es schnell: Ein Enthusiast nach dem anderen begann, in Garagen, alten Ställen und umgebauten Bauernhöfen seine eigenen Spirituosen zu destillieren.
Heute gibt es über 70 Brennereien in Dänemark, die im großen Stil Whisky, Gin, Likör und andere Alkoholarten herstellen. Von Jütland über Fünen bis nach Bornholm hat sich eine kleine, aber lebendige Szene aus Menschen entwickelt, die dänisches Wasser, dänisches Getreide und dänische Handwerkskunst in die Flasche bringen.
Handwerk statt Massenproduktion: drei dänische Erfolgsgeschichten
Meistens sind es kleine Produktionsstätten, an denen ein oder zwei Enthusiasten selbst angefangen haben, genau den Alkohol zu kreieren, von dem sie immer geträumt hatten. Die Mengen sind nicht groß, aber die Qualität ist hoch, denn die edlen Tropfen werden behutsam behandelt – oft mit Rezepten, die über Jahre hinweg verfeinert wurden, bevor die erste Flasche überhaupt in den Verkauf ging.
Thy Whisky ist ein gutes Beispiel dafür, wie tief die Wurzeln reichen können. Die Brennerei liegt auf dem Hof Gyrup in der Region rund um Vorupør und Klitmøller, wo die Familie seit Generationen lebt – seit 1773. Erst 2010 brannten sie ihren ersten Whisky aus eigenem, ökologisch angebautem Korn, und seitdem ist das Destillerie Stück für Stück auf dem Hof gewachsen, immer mit dem Fokus auf Single-Estate-Produktion und Rohstoffe direkt von den eigenen Feldern.1
Stauning Whisky begann ganz anders: 2005 gründeten neun Freunde in Stauning an der jütländischen Westküste die Brennerei, ohne nennenswerte Vorerfahrung, aber mit einer klaren Idee – einen Whisky mit dänischem Terroir zu schaffen. Die erste offizielle Abfüllung kam 2011 auf den Markt, und heute zählt Stauning zu den bekanntesten dänischen Namen weit über die Landesgrenzen hinaus.2
Wild Distillery Bornholm zeigt, dass auch die kleinste dänische Insel eine eigene Brennerei-Geschichte schreiben kann. Auf Bornholm begann Master Distiller Henrik Nerst rund 2010 mit der Entwicklung des Projekts, inspiriert von der besonderen Natur der Insel. Nach mehreren Jahren voller Tests und Feinschliff kamen die ersten Produkte schließlich 2019 auf den Markt.3
Zusammen sind diese drei Brennereien gute Beispiele dafür, wie dänischer Alkohol von kleinen, lokalen Ideen zu bekannten Namen mit einer klaren regionalen Identität herangewachsen ist. Manche, wie Stauning, sind mittlerweile international bekannt, während andere, wie Thy Whisky und Wild Distillery, bewusst eng mit ihrer Region und ihrem Terroir verbunden bleiben.

Brennereien besuchen und probieren
In den meisten Brennereien hast du die Möglichkeit, ganz nah an die Produktion heranzukommen. Du gehst zwischen den Kupferkesseln entlang, riechst die malzige Luft der Gärung und hörst dem Brennmeister zu, der genau erklärt, wie aus Getreide, Wasser und Zeit ein edler Tropfen entsteht. Viele Führungen enden mit einer Verkostung, bei der du Whisky, Gin oder Likör direkt vom Fass probieren kannst – oft begleitet von Geschichten über das Rezept und die Menschen dahinter.
Die lokalen Brennereien tragen auf diese Weise zur Entwicklung des Gebietes bei, in dem sie sich befinden. Zuerst und vor allem verkaufen sie ihre Produkte, aber sie ziehen auch Touristen an, schaffen Arbeitsplätze und arbeiten eng mit lokalen Landwirten und Lebensmittelproduzenten zusammen, die die Rohstoffe für die Produktion liefern. Ein Besuch bei einer Brennerei wird so schnell zu mehr als nur einer Verkostung – er ist ein Fenster in die lokale Wirtschaft und Handwerkskultur der Region.
Auf der Website destillerier.dk gibt es eine interaktive Karte, die zeigt, wo in Dänemark sich die Brennereien befinden – ideal, um deinen nächsten Ferienhaus-Urlaub mit einem Abstecher in die dänische Spirituosenwelt zu verbinden. www.destillerier.dk/
Quellen: [1] thy-whisky.dk, [2] stauningwhisky.com, [3] wilddistillery.dk