Die spannende Geschichte von SONNE UND STRAND

Es war einmal vor langer, langer Zeit ... Lesen Sie hier die unterhaltsame Erzählung von SONNE UND STRANDs Firmengeschichte. Die deutsche Journalistin Nicola Kuhrt hat folgenden Text geschrieben:

Dänemark: Wo Sonne und Strand zu Hause sind
Vor dreißig Jahren vermieteten Margit und Kjeld Andersen zum ersten Mal ein Ferienhaus – ihr eigenes. Sie selbst verbrachten die Hochzeitsreise im Zelt. So viel Unternehmergeist zahlte sich aus: Ihre Agentur „Sonne und Strand“ ist heute eine der größten in ganz Dänemark.

Ein bisschen Meer, dazu die Sonne, freundlich strahlend. Sonne und Strand. Ganz einfach. Ein Stück Urlaubstraum für alle. „Das zu zeigen, konnte doch nicht so schwer sein“, sagt Margit. Mehrere Werbeagenturen hatte sie damals beauftragt, ein Logo für ihr junges Unternehmen „Sonne und Strand“ zu entwickeln. Gemeinsam mit ihrem Mann Kjeld kümmerte sie sich um die Vermietung von Ferienhäusern in Dänemark. Die Ergebnisse der Werber gefielen ihr nicht. Also zeichnete sie das Firmenemblem selbst. Zuhause in Århus, die Kinder waren im Bett, am Küchentisch. „In fünf Minuten war das Logo fertig“, sagt Margit.

Dreißig Jahre später ist aus der kleinen Firma eine der größten dänischen Agenturen zur Vermittlung von Ferienhäusern geworden. „Margit und ich arbeiten immer auf unsere Weise“, sagt Kjeld. „Ganz ruhig!“ Und ruhig nimmt er einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse. Er ist 66 Jahre alt, mit der großen Brille und dem grauen Haar erinnert er an einen Schriftsteller. Margit ist vier Jahre jünger. Sie ist schlank, voller Energie, die Haare sind etwas kürzer als früher. Zusammen wohnen die Beiden in einem liebevoll restaurierten Bauernhaus mitten in einer Heidelandschaft nahe Hune. Der nächste Nachbar ist viele Kilometer entfernt. Die Katze schwänzelt Besuchern um die Beine, hinter dem Haus erstreckt sich ein großer Garten.

Zwei Dänen in Brüssel
Der Zeitpunkt, an dem Margit ihr „Sonne und Strand“-Logo entwarf, hätte besser nicht sein können. Zwar war schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Dänemark Tradition, den Sommer in einem Haus am Strand zu verbringen, doch war das meist der wohlhabenden Stadt-Bevölkerung vorbehalten. Mit dem steigenden Wohlstand, der Motorisierung und den zunehmenden Freizeit-Möglichkeiten kam es in den fünfziger und sechziger Jahren zu einem wahren Ferienhaus-Boom. Plötzlich konnte sich jeder ein solches Haus leisten. Und viele Dänen bauten. Gab es 1966 noch 101.731 Ferienhäuser, waren es 1974 bereits 148.618 (Danmark Statistik). Und die Zahl der Urlauber, vor allem Gäste aus Deutschland, die ihre Ferien im nahen und schönen Dänemark verbringen wollten, stieg noch stärker an als die Anzahl der neuen Ferienhäuser. Die örtlichen Touristenbüros konnten die Anfragen bald nicht mehr händeln. Professionelle Vermittler wurden gesucht. Margit und Kjeld waren schon da.

Dabei war es mehr als ein Zufall, dass Margit und später auch Kjeld mit der Vermittlung von Ferienhäusern begannen. Eigentlich lebten beide ein ganz anderes Leben, bevor sie sich 1974 zum ersten Mal begegneten. Zwei junge Dänen, beide aus Jütland, treffen ausgerechnet in Brüssel aufeinander. „Ich habe sofort gewusst, dass wir zusammen gehören“, erinnert sich Margit. Anfang der 1970er Jahre arbeitete sie als Sekretärin für die Europäische Gemeinschaft, auf einem Kurs für Agrarwissenschaft trifft sie Kjeld, den agrarwirtschaftlichen Berater. Sie entdecken schnell Gemeinsamkeiten. Beide stammen aus einfachen Verhältnissen. Und beide träumten davon, durch die Welt zu reisen.

Eigentlich hatte Margit noch ein paar Jahre in Brüssel bleiben wollen, doch Kjelds Erscheinen änderte alles. Von der einen Hälfte ihres Ersparten – als Angestellte der EU brauchte sie damals keine Steuern zahlen – kaufte sie ein Grundstück für ein Ferienhaus in Dänemark, von dem restlichen Geld finanzierte sie sich eine außergewöhnliche Reise. Mit einer Freundin besuchte sie unter anderem Russland, Japan, die Philippinen, Singapur, Malaysia, Thailand, Nepal, Indien, Pakistan, Afghanistan, den Iran und die Türkei. Kjeld organisiert in der Zeit den Bau ihres kleinen Ferienhauses.

1975 heiraten Kjeld und Margit. Sie leben in der Nähe von Århus, wo Kjeld einen Job hatte. Die Hochzeitsreise ging nach Lappland. Sie lebten im Zelt, das eigene Ferienhaus in Dänemark war derweil vermietet. „Es wäre doch unsinnig gewesen, es in der Zeit leer stehen zu lassen“, sagt Kjeld und grinst, schon damals ganz der klevere Geschäftsmann. Er ist ein Meister der Zahlen, seine Rechenkünste sind legendär.

„Die Häuser kamen ganz schnell“
Nach ihrer Rückkehr kümmert sich Margit darum, erst ihr eigenes Haus und dann auch immer öfter auch die ihrer Freunde zu vermieten. Sie entwirft Informationsbögen pro Haus, die einzelnen Piktogramme zeichnet sie selbst. Sie hat schnell Erfolg. Als dann die Kinder, erst Tina und später Mogens, geboren werden, entscheidet sich Margit, Beruf und Familie zu verbinden, denn sie will möglichst viel Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Es kommen immer mehr Häuser dazu, Margit verdient bald mehr Geld mit der Vermittlung als ihr Mann in seinem Job. Der rechnete wie gewohnt nach und das Paar beschließt, sich ganz auf die Vermittlung der Häuser zu konzentrieren. „Wir haben versucht, ob wir davon leben können“, erinnert sich Kjeld und schiebt sich die Brille wieder ein Stückchen höher. Sie konnten. „Es ging von da an alles ganz schnell, die Häuser kamen ganz schnell.“

Kjelds Talent für Zahlen kommt ihm zu Gute. Noch heute kann er ohne nachzudenken mühelos die Entwicklung des Unternehmens aufzählen: 1980 vermittelte „Sonne und Strand“ 200 Ferienhäuser, 1981 waren es schon 400. Rasant ging es weiter, Kjeld rechnet nicht mehr in Häusern, sondern in vermieteten Wochen. 1982 waren es 7400 Wochen, das bedeutete: 20.000 Menschen, vorwiegend Deutsche, verbrachten ihren Urlaub in einem Ferienhaus von Sonne und Strand. Heute heißen die Andersens jedes Jahr mehr als 300.000 Gäste in ihren rund 5500 Ferienhäusern willkommen.

1980 erhielten Margit und Kjeld Unterstützung. Margits Bruder Kaj stieß nach Ende seines Studiums (Staatswissenschaften, Englisch) und dem Militärdienst zum Team. „Eigentlich hatte ich Lehrer werden wollen“, erzählt Kaj. Aber bei Schwester Margit und ihrem Mann gab es so viel zu tun, dass er im Familienbetrieb blieb. Damals machte sich sein Erscheinen gleich doppelt bezahlt: Da er nicht nur einen Flugschein, sondern auch einen Führerschein für Lastwagen hat, konnte er direkt bei dem ersten großen Umzug helfen – es ging auf einen früheren Bauernhof in Kaas (Nord-Jütland), die Scheune wurde zu Büros umgebaut. Kaj Frederiksen ist bis heute Geschäftsführer von „Sonne und Strand“, Kjeld Vorsitzender und Margit seine Sekretärin.

Ferienhaus-Boom nach dem Mauerfall
Das Glück blieb der Familie Andersen treu. Die deutsche Wiedervereinigung brachte ab 1989 noch mehr deutsche Touristen nach Dänemark. „Ich habe da so meine Philosophie“, sagt Margit. „Es gibt im Leben so viele Möglichkeiten, die nur darauf warten, dass wir sie ergreifen. Manche sind gut und manche sind schlecht. Und wir verfügen anscheinend über das Vermögen, die Guten zu ergreifen.“

Zwischen 1984 und 1994 vervierfachte sich die Zahl von Übernachtungen ausländischer Touristen in Dänemark von 4,6 auf 17,1 Millionen. „Sonne und Strand“ eröffnete ein Service-Büro in Flensburg, um besser auf die Bedürfnisse der vielen deutschen Touristen reagieren zu können, außerdem arbeitete man mit „Agenten“ in München, Heidelberg, Hannover und auch in Chemnitz oder Rostock zusammen. Sie halfen Interessenten bei der Ferienhausbuchung bei „Sonne und Strand“.

„Das waren schon aufregende Zeiten“, sagt Rolf Walter, der von Hannover aus Urlauber für Sonne und Strand berät. Seit mehr als 20 Jahren ist er gemeinsam mit seiner Frau Karen, einer Dänin, als Berater tätig. Natürlich habe sich seitdem viel geändert, sagt der 62-Jährige, man gehe bei „Sonne und Strand“ eben immer mit der Zeit. Anzeigen schalte das Unternehmen schon lange nicht mehr, früher hatte man noch in Tageszeitungen oder im ADAC-Magazin inseriert. Auch Kataloge gibt es nicht mehr. „Wozu auch“, sagt Rolf Walter, „es läuft alles bestens über das Internet.“ Als die Umstellung vor einigen Jahren anstand, sei er schon skeptisch gewesen, gibt er zu. Aber Kjeld sollte Recht behalten. „Ich bewundere ihn für seine Visionen, er kann unglaublich weit in die Zukunft planen.“

Wichtig sind die westjütländischen Werte
Der Ferienhaus-Boom währte natürlich nicht ewig. Mit vielfältigen Regelungen hatte die dänische Regierung bereits seit den 1970er Jahren versucht, die Bautätigkeiten in die richtige Richtung zu lenken. Die Schönheit der Küsten sollte bewahrt bleiben, außerdem hatte man erkannt, dass ansonsten ein Stadium erreicht werden könnte, wo die Küsten nur noch von Freizeitbebauung belegt gewesen wären. Die Maßnahmen der Politiker hatten Erfolg. Die Zahl der Neubauten normalisierte sich. Und auch die zunehmend günstiger und somit auch attraktiver werdenden Flugreisen führten zu einer Normalisierung des dänischen Ferienhaus-Markts – aber auf einem guten Niveau.

„Wir dürfen nicht stehen bleiben, wir müssen uns immer weiter entwickeln“, sagt Kaj Frederiksen. Er weiß genau, die Konkurrenz schläft nicht, und man will natürlich die gute Marktposition halten. Es geht heute immer mehr darum, den Kunden einen zusätzlichen Mehrwert zu bieten, erzählt er. Zum gemieteten Ferienhaus gibt es also einen Dänemark-Pass, mit dem die Besucher zahlreiche Attraktionen günstiger besuchen können und auch in bestimmten Geschäften Rabatte erhalten. „Die Menschen haben heute einfach viel mehr Möglichkeiten, ihren Urlaub zu verbringen“, sagt er, da muss man schon etwas bieten. „Proaktiv“ sein, nennt Kaj das.

Auch Kjeld und Margit sind äußerst aktiv und somit eher selten in ihrem schönen Bauernhaus. Sie machen viele Fernreisen, so wie sie es sich damals erträumt hatten. Und natürlich fahren sie immer noch viel durch ihre Heimat, besichtigen bestehende Ferienhäuser und sprechen mit anderen Vermittlern über mögliche Kooperationen.

In den letzten Jahren stehen immer mehr dänische Ehepaare, die sich bislang um die Vermietung von vielleicht 100 bis 300 Häusern gekümmert haben, vor dem Problem, dass sie keinen Erben haben, erzählt Kjeld. „Aber so ein kleines Büro für die Ferienhaus-Vermittlung ist wie ein Kind. Das will man natürlich nur in beste Hände geben.“ Diese Paare nehmen dann oft Kontakt mit Kjeld und Margit auf. „Die wissen, dass wir die dänischen, die westjütländer Werte hochhalten“, sagt Kjeld. „Es geht schließlich um Vertrauen.“

Dieses Vertrauen will er nicht enttäuschen. Und natürlich hat der Mann der Zahlen noch viele neue Ziele. „Wenn alle Ferienhäuser anbieten, dann zählen Kleinigkeiten. Man muss in allem der Beste sein.“ Und vielleicht öffnet sich „Sonne und Strand“ auch dem europäischen Markt. Denn Strand und Sonne gibt es schließlich auch in anderen Ländern. Nur eben nicht so schön wie in Dänemark, sagt Margit.